#femdomrunde in Berlin

Berlin.

Eine unauffällige Tür.

Hinein ins Lux. Die knarzende, enge Treppe hoch.

Der Holzraum. Gemütlichkeit. Spiegel. Spielzeuge. Kerzen. Und sie. Ophelia.

Ich bin aufgeregt, was an diesem Wochenende ein Dauerzustand zu sein scheint. Heute findet die #femdromrunde von Ophelia statt, der eigentliche Grund für meinen Berlinbesuch. Zusammen mit einer anderen Twitterin geht es zum Ort des Geschehens. Ein Dominastudio. So viele erste Male an diesem Wochenende für mich und obwohl ich mir vor einigen Monaten noch nicht einmal hätte träumen lassen, dass ich einen Nachmittag mit zehn anderen Frauen in einem Dominastudio verbringen und mich über weibliche Dominanz unterhalten würde, fühlt sich alles so … normal an. Wie Ankommen. Zuhause sein.

Das Konzept der #femdomrunde und eine Erklärung dazu können auf Ophelias Webseite Federpeitsche.com nachgelesen werden. Ich hatte mich vor einigen Monaten bereits für eine #frauOenRunde angemeldet, als ich noch der Meinung war, dass ich hauptsächlich devot sei. Inzwischen bin ich froh, dass ich den Einstieg in diese Welt auf andere Weise erlebt habe, ohne dabei das grandiose Konzept der #frauOenrunde schmälern zu wollen. Ich empfinde es als sehr, sehr, sehr wichtig, Frauen aufzuklären, ihnen den Einstieg in das Wunderland zu ermöglichen, sie aber auch zu sensibilisieren. Ich glaube, dass für mich die Oen-Runde der falsche, wenn auch nicht weniger spannende, Einstieg gewesen wäre. Umso froher war ich, als ich die Einladung nach Berlin bekam.

Der erste Teil der Runde bestand aus einem Theorieteil, wobei ich jeden enttäuschen muss, der sich vorgestellt hat, dass Ophelia als Lehrerin an der Tafel steht und die Klasse mit dem Rohrstock um Aufmerksamkeit bittet. Es war eine sehr gemütliche, lockere Runde aus zehn Frauen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Hintergründen. Manche wussten schon länger von ihrer Dominanz, andere schnupperten einfach einmal Femdom-Luft, nachdem sie bei der Oen-Runde dabei gewesen waren, wieder anderen sollte es an diesem Abend wie Schuppen von den Augen fallen, was ihre aktive und passive Art anging.

femdom kaffeeklatsch
Femdom Kaffeeklatsch

Stellt euch also einfach vor, wie ein Haufen Frauen bei Kaffee, Kuchen, Keksen, Saft und Wasser miteinander quatschen – genau so lief es ab. Ophelia hatte bereits im Vorfeld von uns Fragen zusammengetragen, die wie ein Faden durch den Theorieteil führten, wenn wir auch immer wieder in andere Bereiche vordrangen. Es war keine Lehrstunde, sondern ein Miteinander. Man konnte jederzeit Fragen stellen, seine eigenen Erfahrungen (oder Unerfahrenheit) mitteilen, zwischendrin an Keksen knabbern und in den Pausen noch einmal gezielter mit einzelnen Frauen reden. Es war natürlich auch spannend, sich die Einrichtung des Studios anzusehen.

Gegen Abend wurde eine etwas längere Pause gemacht, in der sich auch ein mutiger Pizzabote in den Raum wagte – allerdings lieber rückwärts wieder rausging, um Ophelia dann unter vier Augen noch ein paar neugierige Fragen zu stellen. Vielleicht wäre er dann doch gerne wieder reingekommen. Nach der Pause kam der Praxisteil. Zuerst durften wir uns verschiedene Spiel- und Schlagwerkzeuge ansehen und Ophelia erklärte etwas dazu. Manch eine Frau behielt ihr neues Lieblingsstück dann gleich in der Hand.

bdsm werkzeug
Einstimmen auf den Praxisteil

Dann kam Paris in den Raum. Und kaum, dass Paris am Flaschenzug befestigt war, trat Ophelia in den Hintergrund und Frau O. war da. Ich kann jedem nur raten: Wenn ihr die Gelegenheit habt, Ophelia einmal in Aktion zu erleben, tut es. Genießt es. Es war, als hätte sich ein Schalter umgelegt. Alle Bewegungen wurden raubtierhafter und Paris wurde liebevoll-boshaft für uns „aufgewärmt“. An dieser Stelle vielen lieben herzlichen Dank an Paris, der alles so gut ertragen hat, was wir ihm zugemutet haben. Ich fand es sehr spannend zu sehen, wie wichtig es ist, dass Sub auch Feedback gibt, obwohl das eigentlich klar sein sollte. Wenn man einen stummen Fisch dastehen hat, kann man rein gar nichts abschätzen. Danach konnten wir Paris mit einigen Fragen löchern. Nicht wörtlich genommen und der Abend klang ruhig aus.

Liebe Ophelia: Danke. Danke, für diesen wunderbaren Einblick in weibliche Dominanz, aber auch für Ratschläge, Gedankenanstöße und Ideen für den Alltag. Es hat sich wieder gezeigt, dass BDSM auch ganz viel für das normale Leben mit sich bringt. Es war toll. Es hat meine Erwartungen übertroffen. Ich glaube, dass diese Runde wirklich viel Potential hat und ich kann mir gut vorstellen, wie das vielleicht sogar weitergeht. Ich könnte es mir gut vorstellen, wenn die Femdom-Runde auch zeitlich noch etwas ausgeweitet wird, vielleicht lag es jetzt nur an der „festen“ Deadline, für manche Fragen hätte ich durchaus noch etwas mehr Zeit haben wollen. Und überhaupt: Warum nicht vielleicht irgendwann ein eigenes Femdom-Event auf die Beine stellen? Mit richtigen Workshops, bei denen Expertinnen aus verschiedenen Bereichen ihr Können an interessierte Frauen weitergeben – ob CBT, Bondage, Schlagtechniken, etcpp. und gleichzeitig der Möglichkeit, mit submissiven Männern zu spielen. Ich hätte auch richtig Bock auf einen Zirkel oder wie auch immer man das nennen mag. Vielleicht erstelle ich auch ein reines Femdom-Forum, um eine weitere Möglichkeit zu bieten? Keine Ahnung, Himmel, es gibt so viele Möglichkeiten und es ist einfach nur genial zu sehen, was da gerade passiert.

Ich glaube, dass da gerade eine ganz neue Generation an dominanten Frauen auf dem Vormarsch ist. Eine Generation, die den Wert von Hingabe sehr deutlich kennt, die versteht, dass Submission keine Schwäche, sondern Stärke ist. Frauen, die sich bewusstmachen, dass sie sich nicht in das herkömmliche MaleDom-FemSub-Korsett schnüren lassen müssen, sondern die wissen, dass es da noch mehr gibt. Und die auch wissen, dass Dominanz keine Einbahnstraße ist. Führen, um zu stärken. Nicht, um zu zerstören.

Wie geil ist das denn bitte?

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